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Das Prostatakarzinom ist mit jährlich 67.000 Neuerkrankungen noch immer die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Wir haben Ihnen hier die häufigsten Fragen zur Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms zusammengestellt:

Früherkennung und Diagnose:

Leiden ausschließlich ältere Männer an Prostatakrebs?

Nein! Auch wenn Prostatakrebs deutlich häufiger bei Männern jenseits der 60 diagnostiziert wird, können auch jüngere Männer ab 40 Jahren betroffen sein, wie die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts belegen: Bei etwa jedem zehnten Mann tritt der bösartige Tumor noch vor dem 60. Lebensjahr auf. Hinzu kommt, dass jüngere Männer häufiger an einem aggressiveren Prostatakarzinom erkranken. Das sind Tumoren, die eher  schnell wachsen, Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden, und wenn sie zu spät erkannt werden zum Tode führen können. Die aktuelle Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik und Behandlung des Prostatakarzinoms empfiehlt daher Männern bereits mit 40 Jahren die Früherkennungsuntersuchung bei ihrem Urologen wahrzunehmen. Denn nur, wenn der Tumor mittels PSA-Test, Ultraschall und Abtasten frühzeitig erkannt wird, kann der Prostatakrebs in den meisten Fällen vollständig geheilt werden.

Deuten ständiger Harndrang und ein schwacher Harnstrahl auf Prostatakrebs hin?

Wer unter ständigem Harndrang oder einem schwachen Harnstrahl leidet, sollte nicht direkt in Panik verfallen. Denn meist steht dahinter eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Sie trifft jeden zweiten Mann über 50 und fast alle 80-Jährigen. Bei der so genannten benignen Prostatahyperplasie (BPH) wächst das Drüsengewebe der Prostata in den Bereich der Harnröhre. Als Folge nimmt die Stärke des Harnstrahls ab und Restharn verbleibt in der Blase. Neben wirkungsvollen Medikamenten zur Verbesserung der Blasenentleerung, gibt es heute schonende Laserverfahren, die überschüssiges Gewebe blutungsarm verdampfen. Prostatakrebs bleibt dagegen im Anfangsstadium in der Regel ohne typische Symptome. Um einen möglichen Tumor frühzeitig zu erkennen und optimal zu behandeln, ist es daher wichtig, regelmäßig die Früherkennungsuntersuchung beim Urologen wahrzunehmen.

Mein Vater ist an Prostatakrebs gestorben. Werde ich als Sohn ebenfalls erkranken?

Prostatakrebs ist keine Erbkrankheit im klassischen Sinne. Litt der Vater an Prostatakrebs, heißt das nicht automatisch, dass auch der Sohn erkranken wird. Dennoch haben Männer, bei denen Prostatakrebs in der Familie gehäuft auftritt, ein deutlich erhöhtes Risiko im Laufe ihres Lebens ebenfalls an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Das Risiko ist umso größer, je jünger, je enger verwandt und je zahlreicher die betroffenen Angehörigen sind. Daher sollten vor allem Männer, bei denen eine familiäre Vorbelastung vorliegt, die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Urologie ernst nehmen und sich bereits ab einem Alter von 40 Jahren einer Früherkennungsuntersuchung unterziehen.

Wie häufig sollte man zur urologischen Vorsorge gehen?

Bei vielen Krebserkrankungen sind die Heilungschancen umso größer, je früher der Tumor entdeckt wird. Dies trifft ganz besonders auch für Prostatakrebs zu. Einmal im Jahr sollte daher jeder Mann  ab 40 Jahren eine Krebsfrüherkennungsuntersuchung beim Urologen durchführen lassen. Hierbei erfragt der Arzt die bisherige Krankengeschichte, eventuelle Beschwerden oder Symptome und untersucht die Geschlechtsorgane und Lymphknoten. Darüber hinaus tastet er die Prostata vom Enddarm aus ab, um mögliche Verhärtungen, die auf einen Tumor hinweisen könnten, festzustellen. Allerdings können mit der Tastuntersuchung nur oberflächliche Tumore erkannt werden, die schon eine gewisse Größe erreicht haben. Die Erkrankung befindet sich dann möglicherweise bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und ist nur noch bedingt heilbar. Zu einer effektiven Früherkennungsuntersuchung gehören deshalb nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie neben der Tastuntersuchung mit dem Finger, eine Ultraschalluntersuchung der Prostata sowie die Kontrolle des PSA-Wertes im Blut. Ergibt sich daraus der Verdacht einer Krebserkrankung, sorgen Gewebeproben (Biopsie) aus der Prostata für einen sicheren Befund. Der Pathologe untersucht die Gewebeprobe auf das Vorhandensein von Tumorzellen. Der pathologische Befund, der PSA-Wert und der Untersuchungsbefund des Arztes bilden die Basis für die Notwendigkeit, die Art und das Ausmaß der eventuell erforderlichen Behandlung.

Wie wichtig ist der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs?

Trotz kontroverser Diskussionen um den PSA-Test als geeignete Methode zur Früherkennung von Prostatakrebs, lässt die aktuelle Leitlinie zum Prostatakarzinom keinen Zweifel an seiner Wirksamkeit: Die Einführung des PSA-Tests hat dazu geführt, dass Prostatatumoren durchschnittlich etwa fünf Jahre früher erkannt werden. Dies ist die entscheidende Zeit, in der aus heilbaren Krankheitsstadien unheilbare Erkrankungen werden können. So hat sich der Anteil heilbarer Stadien seit Einführung des PSA-Tests von etwa 40 auf 80 Prozent erhöht und die Sterblichkeit am Prostatakrebs deutlich reduziert.

Bedeutet ein PSA-Wert über vier automatisch Prostatakrebs?

Keinesfalls! PSA wird von jeder Prostatazelle produziert. Nicht jeder Patient, dessen Blut den „Grenzwert“ von 4 ng/ml übersteigt leidet an Prostatakrebs. Denn eine gutartige Prostatavergrößerung, Radfahren, eine Entzündung der Prostata sowie Geschlechtsverkehr können das PSA im Blut kurzfristig steigen lassen. Umso wichtiger ist es, bei einmalig erhöhten PSA-Werten nicht in Panik zu verfallen, sondern den Test zu wiederholen und zusätzliche andere diagnostische Verfahren wie Ultraschall und Tastuntersuchung der Prostata zu nutzen.

Welche Bedeutung hat die Einteilung des Tumors in T,N und M?

Damit der Arzt die richtige Behandlung auswählen und eine korrekte Prognose abgeben kann, muss der Tumor klassifiziert werden. Die verschiedenen Tumoren zeigen ein höchst unterschiedliches Verhalten in Wachstum und Ausbreitung. Die so genannte TNM-Klassifikation – auch Staging genannt -  gibt die lokale Größe des Tumors (T), die Ausbreitung in die Lymphknoten (N) und mögliche Absiedelungen in anderen Organen, s.g. Metastasen (M) an.

Für T (Tumor) gibt es folgende Bezeichnungen:

  • T0 = kein Anhalt für Primärtumor
  • T1 = der Tumor ist klein und nicht tastbar bzw. lässt sich nicht erkennen
  • T2 = der Tumor ist auf die Prostata beschränkt und hat die Prostatakapsel nicht durchbrochen
  • T3 = der Tumor breitet sich über die Prostatakapsel aus
  • T4 = der Tumor erfasst benachbarte Strukturen (z.B. Blase, Darm, Beckenwand)

Die Bezeichnungen zu N (Nodi = Knoten) lauten:

  • N0 = keine benachbarten Lymphknoten befallen
  • N1 = Befall benachbarter Lymphknoten

Für M (Metastasen) gibt es folgende Einteilung:

  • M0 = kein klinischer Nachweis von Tochtergeschwülsten (Fernmetastasen)
  • M1 = Fernmetastasen nachweisbar

 

Was bedeutet der Gleason-Score?

Der Gleason-Score beschreibt die Differenzierung des Tumorgewebes. Dabei wird bestimmt, wie sehr sich die Tumorzellen vom normalen, gesunden Gewebe unterscheiden. Es werden insgesamt fünf verschiedene Wachstumsmuster beschrieben und nach steigender Abweichung vom normalen Gewebe von 1 (= gering) bis 5 (= stark) bewertet. Die Vergabe der Punktzahl (engl. score) geschieht getrennt für das primäre (vorherrschende) und das sekundäre (weitere) Muster. Die beiden Punktzahlen der Zellen werden dann addiert, z. B. 3+4 ergibt den Gleason-Score 7. Liegt der Gleason-Score unter 7, ist die Prognose eher günstig. Liegt der Score jedoch über 7, ist die Prognose eher ungünstiger.

Negative Biopsie, weiterhin erhöhter PSA-Wert – Wie geht es weiter?

 

Finden sich in der Biopsie keine Tumorzellen, aber bleibt der PSA-Wert unverändert hoch, kann ein Prostatakarzinom nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Daher wird zunächst in einer ausführlichen Befragung und klinischen Untersuchung des Patienten nach möglichen anderen Ursachen für die erhöhten PSA –Werte, gefahndet. Dazu gehört zum Beispiel die mechanische Belastung der Prostata durch Fahrradfahren oder eine Entzündung des Organs.

Bleibt der Verdacht auf ein Prostatakarzinom daraufhin jedoch weiterhin bestehen, empfehlen die aktuellen Leitlinien innerhalb von 6 Monaten eine Wiederholung der Biopsie durchzuführen. Die Prostatabiopsie ist ein etabliertes und sicheres Verfahren und stellt derzeit die einzige Möglichkeit zur definitiven Diagnose eines Prostatakarzinoms dar.

Um jedoch die Erkennung eines möglicherweise vorhandenen Prostatakarzinoms nach negativer Gewebeentnahme zu verbessern, setzt das Westdeutsche Prostatazentrum die so genannte MRT-gestützte Biopsie ein. Vor der eigentlichen Gewebeentnahme wird die Prostata des Patienten in einem speziellen Magnetresonanztomographen (MRT), dem so genannten multiparametrischen 3-Tesla-MRT , durchleuchtet. Hierbei entsteht eine Art „Landkarte“, in der tumorverdächtige Areale markiert werden, an der sich die Urologen bei der Gewebeentnahme punktgenau orientieren. Die eigentliche Biopsie findet dann in einem zweiten Schritt unter Kontrolle eines hochauflösenden, transrektalen Ultraschalls statt. Durch die Kombination beider diagnostischer Verfahren erhöhen wir die Trefferquote und können dem Patienten so mögliche weitere Biopsien ersparen.

Therapie:

Welches ist die beste Therapie bei einem lokal begrenzten Tumor der Prostata?

Wird Prostatakrebs rechtzeitig erkannt, stehen dem Patienten mehrere Therapieoptionen zur  Verfügung: Operation, Brachytherapie (innere Bestrahlung) und äußere Bestrahlung. Lange Zeit galt die operative Entfernung des Tumors trotz erheblicher Nebenwirkungen als Therapie der Wahl. Mittlerweile belegen eine Vielzahl von Studien, welche die drei Verfahren miteinander vergleichen, dass die Brachytherapie, allein oder in Kombination mit einer ergänzenden Strahlen- oder Hormontherapie, in allen Krankheitsstadien des lokalisierten Prostatakarzinoms im Vergleich zu einer Radikal-OP mindestens gleichwertig oder sogar besser ist. Die wissenschaftliche Bestätigung für die hohe Effektivität der Brachytherapie macht ein Umdenken in der Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms erforderlich. Der Trend geht immer mehr weg von der OP hin zur Bestrahlung.

Ist der Tumor nach der Operation weg?

Viele Männer entscheiden sich für die Operation mit dem Argument: „Was weg ist, ist weg“. Dies ist einer der häufigsten Irrtümer, die uns in der täglichen Praxis begegnen. Denn bei rund einem Drittel aller Patienten kommt es trotz OP nach einer gewissen Zeit zu einem Wiederauftreten der Erkrankung, einem so genannten Rezidiv. Das Risiko ein Rezidiv zu entwickeln, hängt davon ab, mit welcher Wahrscheinlichkeit einzelne Tumorzellen zum Zeitpunkt der Diagnose die Prostata bereits verlassen haben könnten. Dies bedeutet: Nach der Operation ist der Tumor weg, wenn es nicht außerhalb der Prostata bereits Tumorabsiedlungen gibt. Der Behandlungserfolg und damit auch die Aussicht auf Heilung sind somit unmittelbar von der Wahrscheinlichkeit abhängig, ob bereits eine Kapselüberschreitung oder Metastasen vorliegen.

Welche Behandlung bietet bei einem fortgeschrittenen Prostatakrebs die besten Heilungschancen?

Zahlreiche Studien belegen, dass die Operation gerade bei fortgeschrittenen Tumoren keine gute Wahl ist. Der Grund: Wird die Prostata operativ entfernt und es befinden sich bereits Ausläufer des Tumors außerhalb des Schnittrandes werden diese nach der OP weiter wachsen. Deshalb eignen sich in fortgeschrittenen Stadien (sogenannte Intermediäre oder Hochrisiko-Tumoren) vielmehr Behandlungen wie die Brachytherapie, da auch Randbereiche der Prostata in die Bestrahlung einbezogen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor erneut im Bereich der Prostata (Lokalrezidiv) auftritt, ist daher nach einer kombinierten Brachytherapie sehr viel geringer als nach einer radikalen OP. Die wirksamste und sinnvollste Behandlung bei fortgeschrittenem oder aggressivem Prostatakrebs ist die Brachytherapie (z.B. HDR-Afterloading) kombiniert mit einer äußeren Bestrahlung. Man spricht von einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom, wenn der Tumor das Organ zwar bereits verlassen haben kann, aber noch auf das unmittelbare Umfeld der Prostata begrenzt ist, ohne dass Lymphknoten- oder Knochenmetastasen nachwiesen werden konnten. Der Vorteil der kombinierten Brachytherapie gegenüber der alleinigen äußeren Bestrahlung besteht darin, dass durch die zielgenaue Bestrahlung der Prostata eine höchstmögliche Strahlenmenge verabreicht werden kann, bei gleichzeitiger Reduktion der Strahlendosis auf die umliegenden Risikoorgane, vor allem auf Enddarm und Harnblase.

 

Was bedeutet Active Surveillance?

Für Patienten mit einem Niedrig-Risiko Prostatakarzinom steht mit der „Aktiven Überwachung“ (engl.: Active Surveillance) eine weitere Option zur Verfügung, nämlich die „Nicht-Behandlung“. Hier wird zunächst keine Therapie durchgeführt und abgewartet, ob der Tumor wächst. Die ersten beiden Jahre wird der Tumor alle drei Monate mittels PSA-Wert, Tastuntersuchung und bildgebenden Verfahren sowie alle 12 Monate mittels erneuter Prostatabiopsie aktiv überwacht. Bleibt der PSA-Wert stabil, verlängert sich der Untersuchungszeitraum auf sechs Monate. Treten jedoch erste Anzeichen auf, die auf ein Fortschreiten der Erkrankung deuten, werden entsprechende Therapiemaßnahmen getroffen. Ziel ist es, mit der Aktiven Überwachung eine gute Lebensqualität zu erreichen und gleichzeitig die Möglichkeit einer Therapie zu einem späteren Zeitpunkt offen zu lassen.        {/slider}

Stimmt es, dass Männer über 75 Jahren nicht mehr behandelt werden sollten?

Die Lebenserwartung hängt nicht alleine vom Alter, sondern von einer Reihe zusätzlicher Faktoren ab: So spielen chronische Begleiterkrankungen, körperliche Fitness aber auch Eigenständigkeit und geistige Agilität eine wesentliche Rolle. Viele Senioren stehen auch jenseits der 75 noch mitten im Leben, sind körperlich aktiv, vielseitig interessiert und erfreuen sich guter Gesundheit. Es wäre fatal, in solchen Fällen auf eine effektive Therapie zu verzichten. Deshalb empfiehlt auch die Gesellschaft für Geriatrische Onkologie (SIOG), dass bei gesunden älteren Menschen die gleiche Therapie erfolgen sollte wie bei jüngeren Prostatakrebs-Patienten. Das Ziel sollte auch hier sein, mögliche durch die Erkrankung auftretende Einschränkungen der Lebensqualität zu vermeiden und das Leben der Patienten zu verlängern. Dies umso mehr, wenn es sich um einen aggressiven schnell wachsenden Prostatakrebs handelt, der ohne Behandlung für den Patienten bedrohlich werden kann.

Brachytherapie:

Wie gelangen die Seeds in die Prostata und wie lange verbleiben sie dort?

Bei der Seed-Implantation werden in Narkose unter Ultraschallkontrolle kleine radioaktive Titanstifte (sog. Seeds) direkt in die Prostata eingebracht. Dies geschieht mit Hilfe von Punktionsnadeln, die über ein Koordinatenzielsystem an genau vorausberechneten Positionen in der Prostata platziert werden. Dort verbleiben die Seeds dauerhaft und geben ihre Strahlung über mehrere Monate unmittelbar an das Krebsgewebe ab. Durch die kurze Reichweite der Strahlung werden die Krebszellen direkt zerstört, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen. Nach etwa 6 Monaten ist die erforderliche Strahlung verabreicht und die Seeds verbleiben als kleine, nicht störende Titan-Stiftchen in der Prostata.

Besteht nach einer Seed-Implantation ein Strahlenrisiko für mein Umfeld?

Die Reichweite der radioaktiven Strahlung der Seeds beträgt nur wenige Millimeter. Der Vorteil:  Das Tumorgewebe wird zerstört, aber so gut wie keine Strahlung dringt nach außen. Schon an der Körperoberfläche des behandelten Patienten ist kaum noch Abstrahlung messbar. Die Strahlung hält zudem nur wenige Wochen an: Nach 60 Tagen ist die Hälfte der strahlenden Substanz zerfallen. Nach sechs Monaten beträgt die Strahlung noch etwa ein Sechzehntel. Dennoch sollte in den zwei bis drei Monatenenger Körperkontakt mit Kleinkindern, Babies oder Schwangeren - die sehr sensibel selbst auf minimale Strahlenbelastung reagieren - gemieden werden.  Die behandelten Patienten müssen sich jedoch auf keinen Fall isolieren: Der Aufenthalt im gleichen Zimmer und damit Besuche von Freunden und Angehörigen sind auch direkt nach der Behandlung problemlos möglich.


Habe ich einen Rückfall, wenn der PSA-Wert nach der Brachytherapie wieder ansteigt?

Ein kurzzeitiger Anstieg des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) nach Brachytherapie deutet in vielen Fällen nicht auf ein erneutes Tumorwachstum hin. So kann es bei  30 Prozent der Patienten ein bis zwei Jahre nach Therapie zu einem kurzzeitigen PSA-Anstieg, dem so genannten PSA-Bounce (Bounce=Aufbäumen). Grund dafür, ist in der Regel eine durch die Bestrahlung hervorgerufene Reizung des verbliebenen Prostatagewebes. Ein PSA-Anstieg nach Brachytherapie ist daher oft nicht auf ein schlechtes Ergebnis der Behandlung zurückzuführen, wie von Laien häufig vermutet wird. Im Gegenteil: Patienten mit einem PSA-Bounce erleiden noch seltener einen Rückfall und haben insgesamt eine bessere Erfolgsrate.


Wie hoch ist das Risiko nach einer Brachytherapie inkontinent und/oder impotent zu werden?

Prostatakrebs-Patienten, die eine Brachytherapie erhalten, leiden nach der Behandlung deutlich seltener unter Beeinträchtigungen ihrer Potenz als Patienten nach OP. Studien belegen, dass Impotenz nach Seed-Implantation mit 10-30 Prozent nach drei Jahren wesentlich seltener beobachtet wird als nach einer Operation (70% Potenzprobleme; 53 sexuelles Desinteresse). Erektionsstörungen treten außerdem nicht wie bei der operativen Entfernung der Prostata direkt auf, sondern entwickeln sich, wenn überhaupt, Jahre nach der Behandlung. Auch die Harninkontinenz, die nach der radikalen Entfernung der Prostata bei bis zu 50 Prozent liegt, ist mit 0,3 bis 3 Prozent nach Seed-Implantation verschwindend gering.


Wann kann ich nach der Brachytherapie wieder meine berufliche Tätigkeit aufnehmen?

Normalerweise können die Patienten ihre beruflichen Aktivitäten innerhalb weniger Tage nach dem Eingriff wieder aufnehmen. In der ersten Zeit sollten sich die behandelten Männer jedoch körperlich schonen und auf Folgendes achten: Kein Baden, Schwimmen, keine Saunabesuche oder sexuelle Aktivitäten sowie schweres Heben in den ersten zwei Wochen. Die Druckbelastung von Prostata und Damm, z.B. durch Fahrradfahren, Reiten oder Sitzen auf harten Flächen, sollte für etwa acht bis zwölf Wochen vermieden werden. Sollten in den ersten 24 Monaten nach der Behandlung eine Darmspiegelung oder andere Eingriffe am Darm oder Enddarm (z.B. Hämorrhoiden) geplant sein, muss der behandelnde Internist oder Gastroenterologe wegen möglicher Risiken vor der Untersuchung Rücksprache mit dem Urologen oder Strahlentherapeuten halten.

Wann ist eher eine Seed-Implantation und wann eine Afterloading-Therapie sinnvoll?

Nach den aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften für Urologie und Strahlentherapie wird die Seed-Implantation vor allem für Niedrig-Risiko Patienten mit einem PSA < 10, einem Gleason-Score < 7b und einem Tumorstadium von T1c oder T2a sowie einem Prostatavolumen von < 50ml empfohlen. Nicht geeignet sind Patienten, die innerhalb der letzten sechs Monate eine Prostataausschälung haben durchführen lassen. Kandidaten für eine HDR-Afterloadingtherapie in Kombination mit einer äußeren Bestrahlung sind Risikopatienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom ohne Fernmetastasen in Knochen und Lymphknoten (T2b und/oder PSA >10 und/oder Gleason-Score >7a). Während die Seed-Implantation in frühen Stadien eingesetzt wird, dient die HDR-Afterloadingtherapie  zur Behandlung fortgeschrittener Stadien oder aggressiver Tumoren.

Kann nach einer Strahlenbehandlung wie der Brachytherapie noch operiert werden, falls es zu einem Rezidiv kommt?

Das Vorurteil nach Bestrahlung könne im Fall eines Rezidivs nicht mehr operiert werden, ist in zweierlei Hinsicht falsch.  Erstens: Verwachsungen des Gewebes durch die Strahlenbehandlung, die als Hinderungsgrund für eine OP gelten, sind heute durch eine gezielte Bestrahlung deutlich geringer und dadurch von einem erfahrenen Operateur gut beherrschbar. Zweitens: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor wieder in der Prostata (Lokalrezidiv) auftritt, liegt bei weniger als zwei Prozent. 98 Prozent der Rezidive nach Brachytherapie sind keine isolierten Lokalrezidive sondern Absiedelungen in anderen Organen (Fernmetastasen). Eine OP hätte daher in diesen Fällen auch keine höhere Heilungschance erzielt und ist daher nicht indiziert.


Steigt das Risiko nach einer Strahlentherapie Blasen- oder Darmkrebs zu entwickeln?

Die Furcht, dass nach erfolgreicher Strahlenbehandlung des Prostatakrebses ein Zweittumor entsteht, sitzt bei vielen Männern tief. Zu Unrecht, wie mittlerweile zahlreiche Studien belegen. So konnte gezeigt werden, dass das Risiko nach Bestrahlung der Prostata mittels Brachytherapie als Zweittumor einen Blasen- oder Enddarmkrebs auszubilden sogar geringer ist als nach Prostata-OP. Denn neuere und zielgenauere Techniken führen heute dazu, dass bei den meisten Männern Darm und Harnblase kaum noch im Strahlenfeld liegen. Hochmoderne Computertechnik und der Einsatz bildgebender Verfahren machen es möglich, das Zielgebiet millimetergenau zu erfassen und punktgenau zu bestrahlen. Noch mehr Sicherheit bei der Bestrahlung von Prostatakrebs bietet neuerdings ein Gel-Depot, das so genannte Space-OAR, das den Abstand zwischen Enddarm und Prostata vergrößert. Dadurch wird der Enddarm bei einer äußeren Bestrahlung vor einer Strahlenbelastung noch besser geschützt.

Hormontherapie / Chemotherapie:


Wann wird eine Hormontherapie durchgeführt?

Ob eine Hormonbehandlung angestrebt wird, hängt sowohl vom Tumorstadium, von der Art der Therapie, der Größe der Prostata sowie vom Alter, Allgemeinzustand und voraussichtlicher Lebenserwartung der Patienten ab. Die Hormontherapie kommt generell in Frage bei Patienten mit lokalisiertem Hoch-Risiko-Prostatakarzinom (PSA >20ng/ml, Gleason-Score > 6, Absetzungsrand nach Operation nicht tumorfrei, Lymphknoten befallen), bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom, das bereits Metastasen in den Knochen oder anderen Organen gebildet hat, bei Patienten mit einem Rezidiv nach Operation oder Strahlenbehandlung oder aber für ältere Patienten, bei denen eine Operation zu riskant und eine Bestrahlung nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

Was versteht man unter Antiandrogenen?


Anti-Androgene unterdrücken die Wirkung des Testosterons, indem sie die Aufnahme in die Krebszelle blockieren. Hier gibt es zwei verschiedene Substanzklassen mit vergleichbarer Wirkung: die steroidalen Antiandrogene und die nichtsteroidalen Antiandrogene. Letztere haben den Vorteil, dass sie die allgemeine Leistungsfähigkeit, Knochendichte und sogar die Potenz erhalten können. Antiandrogene werden zu Beginn der Hormonbehandlung meist begleitend zu den GnRH-Agonisten über einige Tage verabreicht, um die Schwankungen im Hormonhaushalt auszugleichen.

Wann wird eine Chemotherapie verabreicht?

Die Chemotherapie ist beim Prostatakarzinom nicht die Therapie der ersten Wahl: Selbst bei einer fortgeschrittenen Erkrankung wird in der Regel zunächst die Hormontherapie eingesetzt, da sie bei geringeren Nebenwirkungen oft über viele Jahre eine vergleichbare Wirksamkeit hat. Steigt jedoch trotz Hormonbehandlung der PSA-Wert wieder an und bringt eine Umstellung bzw. Erweiterung der Hormontherapie keinen Erfolg spricht man von einem hormonrefraktären Karzinom. In solchen Fällen kann eine Chemotherapie als Alternative in Betracht gezogen werden. Ziel der Chemotherapie ist es, das Wachstum der Krebszellen zu hemmen und so den Krankheitsverlauf zu verzögern.

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Berichte über das Westdeutsche Prostatazentrum

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